Emotet: Trojaner weiterhin nicht zu stoppen

17 Apr 2019

Der gefährliche Trojaner „Emotet“ hält Unternehmen, Behörden und Privatpersonen auf Trab. Bereits im Dezember 2018 warnte das Bundesamt für...

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Der gefährliche Trojaner „Emotet“ hält Unternehmen, Behörden und Privatpersonen auf Trab. Bereits im Dezember 2018 warnte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erstmals vor der Malware. Stoppen konnte den Trojaner bisher niemand, er breitet sich unaufhaltsam weiter aus.

Emotet wurde ursprünglich als Banking-Schadsoftware konzipiert, die in fremde Computer eindringen und dort vertrauliche Daten sammeln sollte. Bereits 2014 entdeckten IT-Sicherheitsexperten den Trojaner. Emotet ist in der Lage, herkömmliche Antivirenprogramme zu täuschen und so den Computerschutz zu umgehen. Er verbreitet sich wie ein Computerwurm, kopiert sich immer wieder selbst und verteilt sich so beispielweise über das Intranet von Unternehmen. Da Emotet stetig weiterentwickelt wird, konnte der Verbreitung bisher nicht Einhalt geboten werden.

Medienberichten zufolge haben Hacker sehr authentische Phishing-Mails verschickt, in deren Anhang sich der Trojaner befindet. Die Nachrichten waren im Namen von Microsoft, Vodafone und der Telekom verfasst und lockten so bereits unzählige Menschen in die Falle.

Sobald die beigefügte Datei oder URL aktiviert wird, erfasst die Software sämtliche Kontakte und Konversationen aus E-Mail-Postfächern. Diese Informationen nutzen die Hacker wiederum dazu, das Schadprogramm innerhalb des gehackten Netzwerks weiter zu verbreiten. Durch zuvor exportierte Namen, Mailadressen und Signaturen werden die Empfänger mittels perfekt gefälschter Mails schnell dazu verleitet, die Malware ebenfalls zu aktivieren.

Ist ein Rechner erst infiziert, lädt Emotet weitere Schadprogramme herunter, die Zugangs- und Zahlungsinformationen exportieren können. Dadurch bemächtigt sich der Trojaner nicht nur einzelner Rechner, sondern kann in kürzester Zeit ganze Firmennetzwerke in seine Gewalt bringen. Dem BSI zufolge kam es in diesem Zusammenhang bei verschiedenen Unternehmen bereits zu schwerwiegenden Produktionsausfällen, die erhebliche finanzielle Schäden zur Folge hatten.

Verschiedene Faktoren können dabei helfen, PCs und andere elektronische Geräte vor Emotet zu schützen. Zunächst sollten bereitgestellte Sicherheitsupdates für Betriebssysteme und Anwendungsprogramme, wie Webbrowser oder E-Mail-Clients, installiert werden. Vorhandene Antivirenprogramme sollten außerdem immer auf dem neusten Stand gehalten und dafür regelmäßig aktualisiert werden. Zudem ist das Sichern wichtiger Daten in Form von regelmäßigen Back-ups im heutigen digitalen Zeitalter ein Muss. Abschließend kann nicht oft genug betont werden, dass auch bei vermeintlich bekannten Absendern Vorsicht ratsam ist und Dateianhänge oder URLs nie leichtfertig angeklickt werden sollten.

Doch was ist zu tun, wenn der Rechner oder das Unternehmensnetzwerk bereits betroffen sind? Am wichtigsten ist eine schnelle Kommunikation. Das Umfeld sollte unverzüglich über die Infektion eines Rechners oder Netzwerks in Kenntnis gesetzt werden, da vor allem die darin enthaltenen Mailkontakte gefährdet sind. Außerdem sollten alle Zugangsdaten, die auf den betroffenen Systemen gespeichert sind, umgehend geändert werden. Da durch Emotet heruntergeladene Schadprogramme teilweise sicherheitsrelevante Änderungen an infizierten Systemen vornehmen, ist es zudem ratsam, den infizierten Rechner neu aufzusetzen.

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Cyberwar: Die moderne Art der Kriegsführung

11 Apr 2019

Noch im letzten Jahr stand das Vorprogramm der Münchner Sicherheitskonferenz unter dem Motto „The Force Awakens“. Was sich, in Anlehnung an Star...

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Noch im letzten Jahr stand das Vorprogramm der Münchner Sicherheitskonferenz unter dem Motto „The Force Awakens“. Was sich, in Anlehnung an Star Wars, futuristisch anhört, ist heute längst Realität geworden. Die zunehmende Abhängigkeit von der digitalen Welt führt dazu, dass Konflikte immer öfter im Cyberspace ausgetragen werden. Experten sprechen hier, neben Land, Luft, Wasser und Weltall, von der fünften Dimension der Kriegsführung.


Das Oxford English Dictionary beschreibt den Begriff „cyber warfare“ (dt.: Cyberkrieg) wie folgt: „Die Verwendung von Computertechnologien zur Unterbrechung der Aktivitäten eines Staates oder einer Organisation, die Angriffe auf deren Informationssysteme zu strategischen oder militärischen Zwecken ermöglichen.“


Wurde der Krieg bisher als bewaffneter, gewalttätiger Konflikt zwischen mindestens zwei Kollektiven definiert, wird diese Beschreibung dem Vorgang in der virtuellen Realität nicht mehr gerecht. Die Grenzen verwischen im Cyberwar: Alle kämpfen gegen alle – verdeckt, ohne Kriegserklärung und jenseits der Wahrnehmung der Öffentlichkeit.


Und so kommt es in der heutigen Zeit immer häufiger vor, dass Regierungen andere Länder beschuldigen, ihre Bürger mit Cyberwaffen angegriffen zu haben. Allerdings besteht die eigentliche Gefahr des Cyberkriegs vor allem darin, dass Hacker Regierungssysteme dazu bringen können, die eigenen Leute, Technologien und Computersysteme zu attackieren.


Die Methoden des Cyberkriegs unterscheiden sich dabei nicht von „normalen“ Cyberangriffen. So nutzen Täter u. a. Distributed Denial-of-Service-Attacken (DDoS), bei denen mehrere Computer gleichzeitig eine Webseite oder eine ganze Netzwerkinfrastruktur angreifen. Sie können so zu Komplettausfällen der Server führen. Auch Social Engineering und Spear-Phishing sind Instrumente der digitalen Kriegsführung, da sie Angreifer durch Täuschung in das System des Gegners einschleusen. Eine weitere Methode stellen Zero-Day-Exploit-Attacken dar, die Schwachstellen in Software ausnutzen, noch bevor diese vom Softwarehersteller durch einen Fix wieder geschlossen werden können.


Auch klassische Maulwürfe, sogenannte Insider, stellen ein großes Risiko des Cyberkriegs dar. Ein Beispiel hierfür ist der Fall Stuxnet aus dem Jahr 2010. Das Schadprogramm wurde speziell zum Angriff auf ein Steuerungsüberwachungssystem des Herstellers Siemens entwickelt. Es wurde dazu genutzt, die Motorengeschwindigkeit mehrerer Siemens-Computer zu manipulieren und so zu zerstören. Da der Großteil der infizierten Computer im Iran zu finden war, soll Stuxnet wohl darauf ausgelegt gewesen sein, die Leittechnik der Urananreicherungsanlage in Natans oder das Kernkraftwerk in Buschehr zu zerstören und so den Fortschritt des Nuklearwaffenprogramms zu verzögern – mithilfe eines Insiders.


Ein anderes Beispiel stammt aus Russland – dem immer wieder staatliche Cyberangriffe vorgeworfen werden. So soll Russland Medienberichten zufolge mehrfach mit Cyberattacken gegen die Ukraine vorgegangen sein: Der BlackEnergy-Trojaner wurde 2015 für DDoS-Angriffe, Cyberspionage und Datenvernichtung genutzt und verursachte in 700.000 ukrainischen Haushalten Stromausfälle.


Das Problem bei der Cyberkriegsführung ist, dass die Angreifer nur sehr schwer zu identifizieren sind. Obwohl in einigen Fällen Hacker-Gruppen sehr schnell die Verantwortung für Cyberattacken übernehmen, bleiben die dahinterstehenden Täter in der Regel anonym. Außerdem können militärische Organisationen oder Geheimdienste Hacker-Gruppen engagieren, um bei Attacken selbst unentdeckt zu bleiben. Deutlich wird, dass die Methoden des Cyberkriegs zwar bekannt sind, die Vorfälle aber nur selten rechtswirksam aufgeklärt werden können.

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